Einsatz von KI beim Texten? Keine gute Idee!

Die Welt scheint sich einig darin zu sein, dass KI (fast) alles kann. Aber ist das wirklich so? Immer mehr Menschen erleben, dass KI schlicht und einfach nicht immer und überall Sinn macht – können wir KI also wirklich für alles einsetzen? Oder gibt es vielleicht doch Grenzen?

KI-Fans und KI-Firmen bleiben felsenfest bei ihrer Behauptung dass es nichts gibt, was KI nicht kann. Am Beispiel von Texten wird aber schnell deutlich, dass der inflationäre Einsatz von KI durchaus kritisch zu betrachten ist – die Probleme reichen bei KI-erstellten Texten von Halluzinationen über Falschaussagen bis hin zu absolutem Kauderwelsch und Texten, die mit unglaublich vielen Worten einfach nichts aussagen. Mal mit größeren negativen Auswirkungen, mal mit kleineren.

Und während KI-Firmen und KI-Enthusiast:innen laut von den Dächern schreien, dass KI wirklich alles kann, stellen sich immer mehr Profis aus den verschiedensten Fachbereichen klar gegen derartige Aussagen und argumentieren, dass der KI-Output ihrer professionellen Meinung nach – nett ausgedrückt – dürftig ist.

Und auch ich bin dieser Meinung. Vor allem im kreativen Textbereich, der ja mein Spezialgebiet ist, aber auch darüber hinaus – und zwar aus den folgenden 3 Gründen:

  1. KI ist Wahrscheinlichkeit und Wahrscheinlichkeit ist nicht kreativ
  2. KI-Output wirkt auf Lai:innen immer gut
  3. KI (richtig gehandhabt) spart im Kreativbereich wenig Zeit

Lass mich das mal ein bisschen genauer erklären. 🙂

1. KI ist Wahrscheinlichkeit und Wahrscheinlichkeit ist nicht kreativ

Das 1. Grundproblem, das ich sehe (stark vereinfacht, aber trotzdem richtig), ist tatsächlich sehr simpel. Alle aktuellen KI-Modelle basieren auf Wahrscheinlichkeit. Das heißt also, dass die KI immer das ausgibt, was am wahrscheinlichsten ist. Das ist natürlich stark vereinfacht, aber Tatsache ist: Das, was dir die KI zeigt, ist immer das wahrscheinlichste Ergebnis.

Bei den riesengroßen Datensätzen, mit denen die KI trainiert wird, gibt’s jede Menge verschiedene Wahrscheinlichkeiten und unsere Prompts beeinflussen, was im Einzelfall als das wahrscheinlichste Ergebnis gilt, aber Fakt ist, dass KI das ausgibt, was am wahrscheinlichsten ist.

Und solange das der Fall ist, ist KI meiner Meinung nach nur für Abläufe geeignet, in denen das wahrscheinlichste Ergebnis Sinn macht. Dabei denke ich zum Beispiel an Prozesse, die immer gleich ablaufen. Sowas kann die KI und da ist der Einsatz von KI auch wirklich sehr sinnvoll – einzelne Workflows können effizienter gestaltet werden und die KI kann repetitive Arbeiten übernehmen, sodass die Menschen das Ergebnis nur mehr kurz prüfen müssen.

Sobald allerdings etwas nicht mehr so ganz der Norm entspricht, einzigartig sein oder sich von der Masse abheben soll, zeigen sich ganz klar die Einschränkungen von KI.

Meiner Erfahrung nach häufen sich dann die Probleme und reichen von Grammatikfehlern über das Zusammenwerfen von Elementen, die miteinander einfach nicht funktionieren bis hin zum völligen Fehlen von Logik. Das überrascht nicht, wenn wir uns daran erinnern, dass KI in ihrer aktuellen Form nicht denken kann, sondern lediglich Wahrscheinlichkeiten berechnet.

Und auch wenn niemand so richtig weiß, was denn Kreativität nun wirklich ist, steht sie doch ganz klar in Verbindung mit Neuartigkeit – sei das nun eine andere Perspektive auf etwas Gewohntes, ein ungewöhnliches Element, das etwas Bekanntes auffrischt oder etwas wirklich Neues.

Und auch wenn KI, wenn sie dazu angeleitet wird, verschiedene Konzepte kombinieren kann, ist das meiner Erfahrung nach nur selten von Erfolg gekrönt, da diese meistens einfach nicht miteinander funktionieren – dem Computer fehlt das Weltwissen, das wir Menschen automatisch anwenden, um zu evaluieren, ob denn das nun Sinn macht oder nicht.

2. KI-Output wirkt auf Lai:innen immer gut

Ein weiteres, großes Problem ist, dass Lai:innen KI in der Regel für Bereiche einsetzen, von denen sie keine Ahnung haben – Aufgaben, die sie ohne KI an einen Profi auslagern würden. Das bedeutet einerseits, dass ihre Prompts sehr dürftig ausfallen und andererseits, dass sie den Output der KI gar nicht richtig evaluieren können.

Das mag jetzt erstmal nicht so dramatisch scheinen, ist jedoch ein echtes Problem, wenn wir kurz mal daran denken, warum wir denn die KI überhaupt etwas machen lassen. Im Textbereich zum Beispiel sollen die Texte ja etwas erreichen – bei Blogbeiträgen sind die Hauptziele zum Beispiel meistens, Vertrauen aufzubauen oder Know-how zu zeigen.

Das Problem ist aber, dass seelenloser KI-Output in den allermeisten Fällen seine Ziele einfach nicht erreicht.

Trotzdem wirkt er auf den 1. Blick immer super, weil Lai:innen einfach nicht wissen, auf welche Aspekte es denn wirklich ankommt. Ich sehe das bei Texten seit dem Einzug der KI immer häufiger: Denen fehlt jegliche Logik, es gibt keinen roten Faden, sie wiederholen sich ständig oder widersprechen sich und sie sagen mit sehr vielen Worten sehr, sehr wenig.

Und tatsächlich kenne ich diesen Lai:innen-Bias (so nenn ich das jetzt einfach mal) auch von mir selbst: Ich arbeite seit einigen Jahren sehr eng mit einer Grafikdesignerin zusammen und bekomme dadurch tiefe Einblicke in dieses Thema. Und auch wenn ich natürlich absolut kein Profi in diesem Bereich bin, kann ich Designs mittlerweile nach völlig anderen Gesichtspunkten beurteilen als früher. Wo ich vor 3 Jahren noch „eh ein nettes Design“ gesagt habe, sehe ich heute viele Schwachpunkte und kann Probleme benennen.

Denn erst, wenn wir tief in einem Thema drin sind, verstehen wir dessen Herausforderungen, kennen häufige Probleme und wissen, wie es besser geht. Wenn ich allerdings die KI etwas machen lasse, von dem ich keine Ahnung habe, wie soll ich denn dann die Qualität des Outputs sinnvoll bewerten? 🤔

3. KI (richtig gehandhabt) spart oft wenig Zeit

Der dritte Punkt, der mir bei der Frage, wo der Einsatz von KI denn wirklich Sinn macht, immer wieder unterkommt, ist, dass er tatsächlich oft nur wenig oder gar keine Zeit spart.

Alle reden immer davon, wie stark der Einsatz von KI die Effizienz steigert – was ich aber in meiner Arbeit als Texterin und Übersetzerin sehe, ist etwas völlig Anderes. Wenn KI nämlich richtig eingesetzt wird und nicht nur ein dreizeiliger Prompt für einen kompletten Blogartikel verwendet wird, ist das ganz schön aufwendig. Und zwar sowohl in der Vorbereitung als auch in der Nachbereitung.

Workflow: Einsatz von KI bei der Texterstellung

Idealerweise stellst du der KI nämlich Referenzmaterial zur Verfügung, du gibst klare Anweisungen bezüglich Markenstimme und Tonalität, Anrede der Leser:innen, bevorzugtem Vokabular und gibst bereits vor, was die Kernaussage des Blogbeitrags sein soll, welche Argumente in welcher Reihenfolge vorgebracht werden müssen, und und und.

Das ist schon ganz schön viel Vorarbeit.

Wenn dann der 1. Entwurf von der KI ausgegeben wird, sind in der Regel einige Korrekturen notwendig. Die werden manchmal mithilfe der KI durchgeführt, oder selbst erledigt, aber auch hierfür musst du nochmal einiges an Zeit einplanen: Fakten müssen gecheckt, die logische Abfolge der Argumente evaluiert, der richtige Einsatz von Markenstimme und Terminologie überprüft werden.

Diese Vor- und Nacharbeit ist tatsächlich das, was den Löwenanteil des Aufwands bei der Texterstellung ausmacht – das Schreiben an sich ist (zumindest für Profis 😉) meistens recht schnell erledigt.

Du siehst: Wenn du es richtig machst, spart der Einsatz von KI bei der Texterstellung wenig bis keine Zeit.

(Hier findest du mehr über KI bei der Texterstellung heraus.)

Workflow: Einsatz von KI bei der Übersetzung

Das gleiche gilt übrigens für Übersetzungen: Gerade in der Übersetzungsbranche wurde und wird die KI so richtig gefeiert – allerdings nicht von den Übersetzer:innen, die tatsächlich die Arbeit erledigen, sondern von Kundschaft und Agenturen. Sie wird als effizienzsteigerndes Tool gesehen, das Übersetzungen ENDLICH schnell und billig macht.

Dass das jedoch sehr weit von der Realität entfernt ist, wird völlig ignoriert: Während der Übersetzungsprozess an sich von der KI zwar in der Tat schneller erledigt werden kann, als von einem Menschen, ist auch hier wieder eine unglaubliche Vorarbeit notwendig, die oft leider nicht einmal das gewünschte Ergebnis liefert – was wiederum dazu führt, dass KI-Übersetzungen immer korrekturgelesen werden müssen.

Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich bei KI-Übersetzungen Terminologie korrigieren musste, die der KI eigentlich zur Verfügung gestanden hatte, die es aber leider trotzdem nicht (konsistent) in den Output geschafft hat. Oder wie oft die KI innerhalb eines Texts zwischen du und Sie oder Einzahl und Mehrzahl hin- und herspringt.

Dazu kommt, dass die unglaubliche Gleichförmigkeit der KI-Übersetzungen größere Textmengen schier unaushaltbar macht. Wie ein Schlaflied lullen dich die immer gleichen Formulierungen ein und machen es fast unmöglich, über einen längeren Zeitraum konzentriert zu arbeiten.

Das ist allerdings ein riesiges Problem, weil falsche Übersetzungen so unglaublich häufig sind: Aussagen werden ins Gegenteil verkehrt, weil ein „nicht“ von der KI ignoriert wurde, falsche Übersetzungen einzelner Wörter machen die lokalisierte Version unverständlich und Wort-für-Wort-Übersetzungen sind zwar nicht völlig falsch, klingen aber auch nicht ganz richtig oder idiomatisch in der Zielsprache.

Tatsache ist: Das Korrekturlesen von KI-Übersetzungen ist extrem anstrengend und zeitaufwendig. Bezahlt wird es allerdings schlechter als das Korrekturlesen von menschlicher Übersetzung, „weil die KI ja die ganze Arbeit erledigt hat“.

Klingt unfair? Weil es das ist.

(Hier findest du mehr über KI bei der Übersetzung heraus.)

4. Fazit – wo kann KI sinnvoll eingesetzt werden?

Du siehst, das mit dem sinnvollen KI-Einsatz ist gar nicht so einfach.

Mit einem meiner Kunden aus dem Technikbereich, Simon Jiménez, spreche ich immer wieder über dieses Thema. Der Software-Entwickler leitet die Firma chax, welche Apps entwickelt und die KI-gestützte Requirements-Engineering-App storywise im Portfolio hat. Richtig gelesen: KI-gestützte App, nicht KI-App. KI wird dort für einzelne Workflows eingesetzt, übernimmt lediglich repetitive Aufgaben und der Output wird immer von einem Menschen überprüft.

Die KI nimmt mir sehr viel Arbeit ab – ich bin mehr als doppelt so schnell! Das gilt allerdings nur für 5 % meiner Arbeitszeit, sodass wir uns immer gut überlegen sollten, für welche Aufgaben wir KI einsetzen.

Simon Jiménez darüber, wie KI sinnvoll eingesetzt werden kann.

Und im Kreativbereich? Ich sag’s ganz ehrlich, ich nutze die KI auch gerne mal bei der Texterstellung, allerdings ausschließlich für Brainstorming. Wenn ich mal wo anstehe oder mit meiner Headline nicht zufrieden bin, frag ich die KI. Da kommen dann 10 Ergebnisse, die alle unbrauchbar sind – die aber neue Ideen in meinem Kopf entstehen lassen.

DAS ist sinnvoller KI-Einsatz im Kreativbereich.

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